Hannes Stein: Enzyklopädie der Alltagsqualen

Enzyklopädie der Alltagsqualen

Verlag: Eichborn Verlag [mehr Bücher von diesem Verlag zeigen]
Sparte: Satire
ISBN-13 978-3-8218-5769-5

Preis: aktuell keine Daten vorhanden
Wann vergeht schon einmal ein Tag ohne dass man auch nur ein einziges Mal über etwas gejammert hat? Äußerst selten, denn es gibt einfach viel zu viele Dinge, die einem einen Anlass zum Jammern und Klagen geben, wie z.B. das Wetter, wobei dieses erstaunlicherweise keinen Eingang in das Buch "Enzyklopädie der Alltagsqualen" von Hannes Stein gefunden hat. Ansonsten findet man hier aber eine Menge größerer und kleinerer Alltagsübel versammelt und treffsicher analysiert:

Die Beschreibung des Übeltäters "Heuschnupfen" trifft genau zu. Beim Lesen diesen Kapitels fängt es beinahe schon an in Rachen, Ohren und Augen zu jucken und dabei ist doch noch gar keine Heuschnupfenzeit. Auch das Kapitel über Kinder, die einen manchmal ja ziemlich nerven können, ist äußerst amüsant, auch wenn ich sauer wäre, wenn mein Freund, von dem ich mir schließlich mal Kinder wünsche, solche Äußerungen über Kinder machen würde. Nach der Lektüre des Kapitels "Nachbarn" habe ich Überlegungen zu meinen eigenen Nachbarn angestellt. In welche Kategorie passen sie? Kleinliche Spießer, peinliche Barbaren, gefährliche Irre oder stille Selbstmörder? Das Verhalten von frischverliebten Pärchen kann wirklich Grund zur Aufregung sein, insbesondere, wenn man selber Single ist, und wer ist nicht schon einmal in die nächste Hecke geflüchtet in dem Versuch einem Radfahrer auszuweichen? Über den Sommer wird gejammert, weil es zu heiß ist und man sich nicht konzentrieren kann, aber der graue und kalte Winter ist einem natürlich auch nicht recht. Und wie oft stand ich selbst schon fluchend vor einem Kopierer, weil wieder einmal ein rotes Lämpchen blinkte und der Display mir Papierstau meldete und auch dass der Buchstabe "y" in der deutschen Sprache völlig überflüssig ist, kann ich aus Scrabble-Erfahrung nur bestätigen.

Weitere Kapitel handeln u.a. über das Älterwerden, das Aufstehen, die Deutsche Bahn, Elternabend, Computer, Gebrauchsanweisungen, Spam, Urlaub, Vollkornbrot, Ikea- Haken, Drehtüren, Klarinettenvorspiel, Michael Moore und natürlich fehlt auch ein Kapitel über das Jammern selbst nicht. Außerdem gibt es eine Abhandlung über den Hass, die Rache, den Neid und die Liebe.

Ich könnte hier mit Aufzählungen und Beispielen aus dem Buch noch eine Ewigkeit weiter machen, denn es gibt eine Menge lustiger Stellen, die man am liebsten sofort jemanden zitieren würde (z.B. "'Besteht ein Personalrat aus einer Person, erübrigt sich die Trennung nach Geschlechtern.' (Information des Deutschen Lehererverbandes Hessen) aus dem Artikel über Behördendeutsch). Es trifft einfach so vieles tatsächlich zu und man findet sich selbst an vielen Stellen wieder. Neben dem witzigen Stil und der genauen Beobachtungsgabe des Autors macht auch sein geschichtliches, kulturells sowie biblisches Wissen einen großen Teil der Qualität des Buches aus.
Fazit
Dieses Buch ist einfach für jeden zu empfehlen. Hannes Stein hat es geschafft, den Alltag auf amüsante Weise zu analysieren, so dass jeder, der auch einmal über sich selbst lachen kann, viel bekanntes und erheiterndes in dem Buch wiederfinden wird.


Rezension erstveröffentlicht bei www.juleiqua.de
10 Sterne10 Sterne10 Sterne10 Sterne10 Sterne10 Sterne10 Sterne10 Sterne10 Sterne10 Sterne

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Vorgeschlagen von Miriam [Profil]
veröffentlicht am 02. Mai 2006

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