Stefan Zweig: Maria Stuart

Maria Stuart

Verlag: Fischer Taschenbuchverlag [mehr Bücher von diesem Verlag zeigen]
Sparte: Biografie
ISBN-13 978-3-596-21714-4

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Zunächst muss ich subjektiv sagen: ich bin ein Bewunderer von Stefan Zweigs Werken. Seine Sprache ist bilderreich und ausdrucksvoll. Er schreibt packend und fesselnd. Dies gilt auch für die vorliegende, bereits 1935 erschienene Biographie über die schottische Königin Maria Stuart. Spannend wird der Lebens- und Leidensweg dieser so umstrittenen Persönlichkeit dargestellt, wobei Zweig leider die Position der britischen Königin und Gegenspielerin Elisabeth I. nicht genug würdigt. Elisabeth I. scheint als kalte Frau, die Maria eiskalt in die Falle laufen lässt. Zwar bilanziert auch Zweig am Ende seiner Biographie treffend: "Moral und Politik gehen besondere Wege. Immer beurteilt man darum ein Ereignis von völlig verschiedenen Ebenen, je nachdem, ob man es vom Standpunkt der Humanität oder dem des politischen Vorteils wertet. Moralisch bleibt die Hinrichtung Maria Stuarts ein völlig unentschuldbarer Akt: wider alles Völkerrecht hatte man mitten im Frieden die Nachbarkönigin festgehalten, heimlich eine Schlinge gedreht und ihr auf perfidete Weise in die Hände gespielt. Aber ebensowenig läßt sich leugnen, daß vom staatspolitischen Standpunkt gesehen, die Beseitigung Maria Stuarts für England eine richtige Maßnahme war. Denn in der Politik entscheidet - ledier! - nicht das Recht einer Maßnahme, sondern der Erfolg. Und bei der Hinrichtung Maria Stuarts billigt der Erfolg im politischen Sinne nachträglich den Mord, denn er schaft England und seiner Königin nicht Unruhe, sondern Ruhe."

Diese Bilanz ist zutreffend, dann aber bleibt mir schleierhaft, warum er die Handlung Elisabeths, besonders im Kapitel: "Elisabeth gegen Elisabeth", psychologisch eines der interessantesten Kapitel, die Zweig geschrieben hat, nicht deutlicher würdigt. Treffend scheint zwar zu sein, dass Elisabeth befreit sein möchte "von ihrer Gegnerin und doch vor der Welt als die Großmütige und Verzeihende erscheinen." Die Szene, in der der Staatsschreiber Davidson am 1. Februar 1587 das Todesurteil für Maria Stuart zur Unterzeichnung bringt mit der Schilderung der bühnenreifen Komödie, die Elisabeth anschließend inszeniert, um die Verantwortung für die Tat auf andere abschieben zu können, ist packend beschrieben und verät immenses Einfühlungsvermögen in das Wesen der Gegenspielerin. Gerechtigkeit widerfahren, indem er objektiv die Gründe Elisabeths würdigt, dazu kann sich Zweig jedoch leider nicht durchringen. Insofern bleibt die Bilanz, die Anka Muhlstein, Verfasserin der eben erschienenen Doppelbiographie über Maria Stuart und Elisabeth I. von England, über dessen Biographie zieht, leider zutreffend: "Zweig, dieser höchst talentierte und erfahrene Biograph, konnte sich nicht entschließen, Maria Stuart mit politischen Mitteln zu kritisieren...Ebensowenig wie Schiller will er sie reinwaschen." Doch er bewundert, dass sich Maria nicht für ihr Königtum - wie ihre Gegenspielerin Elisabeth - entscheidet und damit die Interessen des Landes über die der eigenen Person stellt, sondern zu ihrem Frauentum bekennt. Anna Muhlstein fährt fort: "Der von ihr [Maria Stuart, B.N.] faszinierte Schriftsteller entschuldigt alle Fehler seiner Heldin und wirft einen gnadenlosen Blick auf ihre Rivalin, deren Schuld es wäre, nicht wie alle anderen Frauen zu sein." Diese Bilanz ist völlig zutreffend, ihr ist aus meiner Sicht nichts hinzuzufügen.
Fazit
Insofern ist die Biographie Stefan Zweigs heute nach wie vor wertvoll: als psychologischer Roman eines Meisters dieser Form - als historische Biographie einer Person ist sie nicht brauchbar - zu sehr pflegt sie den "Mythos" Maria Stuarts. Insofern leider nicht zu vergleichen mit der anderen hervorragenden Frauenbiographie, der von Marie Antoinette, und auch den anderen Lebensbeschreibungen Stefan Zweigs, die ihn so berühmt gemacht haben. Dennoch spannend zu lesen - als historischer Roman.
6 Sterne6 Sterne6 Sterne6 Sterne6 Sterne6 Sterne6 Sterne6 Sterne6 Sterne6 Sterne
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Joseph Fouche

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Vorgeschlagen von Bernhard Nowak [Profil]
veröffentlicht am 11. März 2006

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