Steven Levitt: Freakonomics

Freakonomics

Verlag: Riemann [mehr Bücher von diesem Verlag zeigen]
Sparte: Sachbuch
ISBN-13 978-3-570-50064-4

Preis: 6,69 Euro bei Amazon.de [Stand: 04. Dezember 2016]
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Hat der Besitz von Büchern Einfluss auf den Schulerfolg eines Kindes? Sind bei adoptierten Kindern die Erbanlagen entscheidend oder der Erziehungsstil der Eltern? Steven Levitt ist Professor für Wirtschaftswissenschaften; er erklärt in Zusammenarbeit mit dem Journalisten Stephen Dubner anschaulich den Unterschied zwischen Kausalität und Kongruenz. Das Autoren-Team gibt Einblicke in typische Argumentations-Schienen amerikanischer Medien.

Freakonomics räumt zunächst mit populärwissenschaftlichen Erkenntnissen auf, die wir bisher für gesichert hielten. Dabei schlagen die die Autoren selbst ernannte Experten mit ihren eigenen Waffen. Sie zeigen, dass einige Politiker sich geschickt vorhandene Trends zunutze machen, indem sie vorgeben, sie hätten diese Wirkung durch überlegte Maßnahmen erzielt. Sie sollten die Levitts Argumente besser nicht als Argumentationshilfe für Ihren eigenen Wahlkampf benutzen. Sie werden scheitern. Auch das kann Levitt beweisen.

Die Zahl der Verbrechen in New York kann durch Personalzuwachs bei der Polizei oder die Zero-Tolerance-Aktion des Bürgermeisters gesenkt worden sein. Es gibt jedoch inzwischen weniger Jugendliche und möglicherweise deshalb weniger Straftaten. Dass Waffengesetze oder Strafen irgendeinen Einfluss auf die Kriminalitäts-Statistik haben könnten, wird kein Leser nach der Lektüre weiter behaupten können.

Levitt erläutert, wie durch Liberalisierung des Schwangerschaftsabbruchs in den USA 20 Jahre später die Kriminalitätsrate deutlich sank. Der Beweis, dass diese unpopuläre These falsch ist, steht noch aus; stattdessen erhielt der Autor Morddrohungen.

Lesenswert ist das Kapitel über den Ku-Klux-Clan. Auf die Idee, 100 Lynchmorde "nicht viel" zu finden, wenn im gleichen Zeitraum 10 000 schwarze Kinder an banalen Krankheiten sterben, kann wohl nur ein Amerikaner kommen.
Die Autoren haben Levitts ungewöhnlichen Themen geschickt zu einem populärwissenschaftlichen Buch über Wirtschaft und Statistik verknüpft. Wir bekommen Einblick in die kaufmännische Buchführung einer Crack-Dealer-Bande, die ähnlich wie die MacDonalds-Kette organisiert ist. Wir lernen, warum der durchschnittliche kleine Crack-Händler immer noch zu Hause wohnt und erkennen die Verbindung zwischen Drogenhandel und Gewalt.

Mit wirtschaftswissenschaftlicher Denke zeigt Levitt auf, dass Eltern Risiken für ihre Kinder fürchten, die unwahrscheinlich sind, während sie die wahrscheinlichen Gefahren übersehen. Jährlich ertrinken z. B. in den USA 550 Kinder im elterlichen Swimming-Pool, erschossen werden im gleichen Zeitraum 175. Mit Freakonomics will Levitt seine Leser in die Lage versetzen, sich nicht allein durch Senkung des Empörungs-Faktors beschwichtigen zu lassen, während sich an den Tatsachen nichts ändert.

Der Ko-Autor Stephen Dubner hat von 1994 bis 1999 das New York Times Magazine herausgegeben. Er schreibt freiberuflich für den New Yorker, die Washington Post und Time.
Fazit
Einge der typisch amerikanischen Beispiele Levitts sprechen europäische Leser weniger an, trotzdem ist das Buch unterhaltsam und zeigt verblüffende Perspektiven auf.
7 Sterne7 Sterne7 Sterne7 Sterne7 Sterne7 Sterne7 Sterne7 Sterne7 Sterne7 Sterne

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Vorgeschlagen von Helga Buss [Profil]
veröffentlicht am 08. März 2006

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