Kazuo Ishiguro: Alles was wir geben mussten

Alles was wir geben mussten

Verlag: Karl Blessing Verlag [mehr Bücher von diesem Verlag zeigen]
Sparte: Belletristik
ISBN-13 978-3-89667-233-9

Preis: 7,94 Euro bei Amazon.de [Stand: 11. Dezember 2016]
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Tommy, Kathy und Ruth waren eine eingeschworene Gemeinschaft im englischen Internat Hailsham. Rückblickend beschreibt Kathy sachlich und beinahe emotionslos die abgeschiedene "Kühle neue Welt". Kalenderbilder im Unterricht sind die einzige Information, die die Kinder von "draußen" erhalten. Betreuer scheinen Dinge zu wissen, von denen die Schüler nur etwas ahnen. Geschickt geben die erwachsenen "Wächter" wenige Informationen so beiläufig weiter, dass kaum jemand genau hinhört. Wenn man sie später deshalb kritisieren würde, könnten sie sich damit herausreden, dass doch alle Bescheid gewusst haben. Halbwissen und von älteren Schülern überlieferte Verschwörungstheorien verängstigen die Kinder. Der Alltag ist geprägt von gegenseitiger Beobachtung und Eifersucht.

Was für "Spenden" sind geplant? Wer wird später selbst "Betreuer" sein? Und was führt die "Madam" im Schilde, die so überaus interessiert an den Zeichnungen und Bastelarbeiten der Kinder ist?

Im ersten Teil des Buches, der aus der Perspektive der Kinder erzählt wird, entfaltet sich eindrucksvoll die bedrückende Atmosphäre des Unausgesprochenen.

Als Erwachsene muss Kathy immer wieder an Tommy, den Rebellen denken. Nach Abschluss der Schule hatten die Jugendlichen in "Cottages" gelebt, die man sich wie ein Lager für elternlose Flüchtlinge vorstellen kann. Hier gibt wieder eine Vielzahl von unausgesprochenen Regeln. Die Bewohner haben keine Vorbilder, so dass sie Gestik und Vokabular zunächst aus dem Fernsehen kopieren. Ein Gerücht taucht auf und lässt die ehemaligen Internats-Schüler nicht mehr los: es soll einen Weg geben, wie sie ihrem vorgezeichneten Schicksal entgehen können.
Fazit
Vordergründig erscheint "Alles was wir geben mussten" wie ein futuristischer Roman. Ishiguro zeichnet eine ebenso realistische wie beklemmende Zukunftsperspektive. Die Spannung der raffiniert schlichten Darstellung können die Leser in allen Feinheiten genießen, die vorher noch nicht zuviel über die Handlung gelesen haben.
9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne

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Vorgeschlagen von Helga Buss [Profil]
veröffentlicht am 02. März 2006

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