Ines Geipel: Heimspiel

Heimspiel

Verlag: Rowohlt Verlag [mehr Bücher von diesem Verlag zeigen]
Sparte: Belletristik
ISBN-13 978-3-87134-525-8

Preis: 1,68 Euro bei Amazon.de [Stand: 05. Dezember 2016]
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Ende August 1989. Eine junge Frau besteigt in Dresden einen Zug nach Budapest. Zwei Monate vor der Wende faßt sie ihren Entschluß, die repressive Heimat und einengende Familie zu verlassen. Ihr Plan: sie will nach Ungarn, und sich von dort aus irgendwie über die grüne Grenze nach Österreich durchzuschlagen. Die langen Stunden der Zugfahrt füllen sich mit schmerzlichen Erinnerungsbildern: vom Vater, dem "nicht anders könnenden Mann", einem lebenslustigen Musikpädagogen und DDR-Spion im Westen. Von der Mutter, einer "kleinen, stillen Frau", die auch dann noch schweigt, als der Vater dem Mädchen gegenüber gewalttätig wird. Von ihr selbst, dem "schwierigen Kind", wie sie mit ihrer ungarischen Freundin Szusza tanzen geht oder ihren Geliebten Bo küsst. Das ganze Buch ist im Grunde ein langer Abschied. Erst dieser macht es möglich, dass der letzte Schritt, Trennung und Aufbruch in ein neues Leben getan werden kann. Für diese Erinnerungen, sei es private Trauer oder seien es die Drangsalierungen durch das DDR-System, hat Ines Geipel eine eigene Sprache gefunden. Feinfühlig ertastet sie Worte, wehmütige Bilder, poetische Beschreibungen. Kühle, knappe Sätze, ohne jegliches Geschwätz. Ausgezeichnet wurde die 1960 in Dresden geborene Autorin, deren eigene Biografie dem Roman zugrunde liegt, bereits mehrfach: als ehemalige Weltklasse-Sprinterin und -Weitspringerin, als Journalistin für ihre Arbeiten zum Zwangsdoping des DDR-Sportapparats oder zum Schulmassaker in Erfurt - und nun ist ihre bemerkenswerte Prosa dran.
Fazit
Ines Geipel ist ein Multitalent, die ohne weiteres auch in der Liga ernstzunehmender Autoren mitmischen kann. Auch das Spiel mit Worten liegt ihr.
7 Sterne7 Sterne7 Sterne7 Sterne7 Sterne7 Sterne7 Sterne7 Sterne7 Sterne7 Sterne

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Vorgeschlagen von Annette Rieck [Profil]
veröffentlicht am 28. Januar 2006

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