Marco Kunst: Gelöscht

Gelöscht

Verlag: Gerstenberg [mehr Bücher von diesem Verlag zeigen]
Sparte: Jugendroman
ISBN-13 978-3-8067-5089-8

Preis: 1,76 Euro bei Amazon.de [Stand: 02. Dezember 2016]
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Wenn man nach 477 Seiten ein Buch mit einem leichten Seufzer aus der Hand legt und es kaum erwarten kann, dass eine Fortsetzung, ein zweiter Band erscheint, dann kann man sich sicher sein, ein gutes Buch gelesen zu haben, eines, das einem im Gedächtnis bleiben wird. Marco Kunst ist es gelungen, mit seinem ersten Roman solch einen Eindruck zu hinterlassen. "Gelöscht", heißt das Werk, das bei Gerstenberg erschienen ist und quasi schon jetzt nach einem zweiten Band schreit. Die Handlung spielt in der Zukunft, in der die Welt George Orwells und Aldous Huxleys längst Realität geworden ist. Die Menschheit, die zunächst scheinbar isoliert in einer einzigen Stadt lebt, wird beherrscht von "Big Brother", dem alles umfassenden und kontrollierenden Zentralcomputer, kurz CC genannt. Die Menschen sind glücklich, haben keine Sorgen und müssen sich wirklich um nichts mehr kümmern. Kranke gibt es nicht, Alte gibt es nicht, denn von einem gewissen Zeitpunkt an werden die Bewohner dieser Stadt einfach "gelöscht" und zwar so gründlich, dass sich niemand und nichts mehr an sie erinnert. Und dann geht es zurück in den großen "Kreislauf". Doch manchmal passieren eben auch einem CC klitzekleine Fehler.
Als der Junge Sig - durch eine Unaufmerksamkeit - eines Tages aus Versehen die Grenzen der Stadt, die von einer riesigen Mauer umgeben ist, überschreitet, da ist er plötzlich ausgeschlossen von seinem bisherigen Leben, denn es gibt keinen Weg zurück in diese Welt. Doch Sig hat Glück im Unglück, denn der Zentralcomputer hat "vergessen" ihn zu löschen - und so kann sich Sig an sein früheres Leben gut erinnern.
Jetzt aber ist der Junge ausgestoßen aus der Gesellschaft, die ihn bislang behütet und beschützt hat, irrt über Müllhalden der Konsumgesellschaft und fühlt sich einsam und verlassen. Merkwürdige Wesen, Tieren ähnlich, begegnen ihm und er muss sich vor ihnen verstecken. Erst als Sig Pilaster trifft, einen alten Mann, dem vor vielen Jahren ein ähnliches Schicksal widerfahren ist wie ihm selbst, keimt Hoffnung in dem Jungen auf. Es beginnt für Sig ein neues Leben, das so gar nichts mehr mit dem alten Leben in der Stadt zu tun hat, und es entwickelt sich eine Freundschaft zwischen den beiden, die tief und ehrlich ist, von Hoffnung geprägt, doch leider schon bald ein abruptes Ende findet. Doch Sig hat sein Ziel gefunden. Er geht einen Weg, der nicht immer einfach ist, voller Gefahren steckt, spannende Abenteuer bringt und ihn noch vor so manche Herausforderung stellt.
Fazit
Natürlich hat der in Amsterdam lebende Marco Kunst sein Buch als Jugendbuch konzipiert. Der Protagonist ist um die 13, 14 Jahre alt, geht eigentlich noch zur Schule und hat bislang ein sorgenfreies Leben geführt. Aber warum soll man literarische Grenzen nicht aufweichen, empfehlenswert ist die Lektüre dieses Buches allemal auch für eine ältere Leser - zumindest dann, wenn ihnen gut gemachte Science-Fiction-Bücher liegen.
Aber Kunsts Buch ist sogar noch ein wenig mehr als nur spannende Lektüre. Denn die Außenwelt, in die Sig gestoßen wird, zeigt, dass das vermeintlich isolierte und glückliche Leben in der abgeschlossenen Stadt mit seinen vielen modernen Erfindungen und Errungenschaften vielleicht doch nicht so erstrebenswert ist wie man zunächst annehmen mag. Wer möchte, kann aus dem Roman, der sich in insgesamt drei Teile gliedert, also sogar Gesellschaftskritik lesen, wobei Kunst weder die hoch technisierte- noch die "back to nature"-Gesellschaft für unbedingt erstrebenswert hält, sondern eine Mischung aus beidem favorisiert.
Schon heute darf man gespannt auf das sein, was der niederländische Autor, der Philosophie studierte, mit seiner Feder auf Papier bannen wird.
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Vorgeschlagen von Martina Meier [Profil]
veröffentlicht am 23. Januar 2006

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