Theo Sommer: 1945: Die Biographie eines Jahres

1945: Die Biographie eines Jahres

Verlag: Rowohlt Verlag [mehr Bücher von diesem Verlag zeigen]
Sparte: Sachbuch
ISBN-13 978-3-498-06382-5

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Theo Sommer, langjähriger Chefredakteuer der "Zeit" bringt uns mit diesem Band das vermutlich im Rückblick wichtigste Jahr für die Gestaltung der Nachkriegsordnung, 1945, ins Bewußtsein. Im Gegensatz zu der Studie von Norbert Frey geht es Sommer nicht darum, eine Nachbetrachtung über die Auswirkungen des Dritten Reiches anzustellen. Sommer vermittelt präzise Zeitgeschichte. Ähnlich wie Kempowski in seinen kollektiven Tagebüchern vermittelt Sommer aufgrund von Erinnerungen und Schilderungen von Zeitgenossen eine wichtige Information über das Jahr 1945, in dem die "Deutschen zwischen Hunger und Elend" schwebten und "die Hoffnung erstorben" war. Beginnend mit der wahnsinnigen Ardennen-Offensive Hitlers, den Überlegungen von Stalin, Roosevelt und Churchill bis zu den Weihnachtsartikeln der Zeitungen 1945 zieht Sommer eine nüchterne Bilanz des Jahres. Für mich sehr eindrucksvoll vor allem, dass Sommer nicht nur auf Deutschland und Europa "zentriert" bleibt, sondern auch die weltpolitischen Ereignisse, etwa die Entwicklung, die zum Atombombenabwurf auf Hiroshima und Nagasaki führte ("Mein Gott, was haben wir getan?", bemerkte der Kopilot der "Enola Gay" zu seinem Kommandanten, als der Bomber abdrehte, um dem Atompilz auszuweichen, S. 269) werden ausführlich mit Rückblicken geschildert. Und diese Schilderungen im Kapitel: "Die Bombe und der Tenno" finden sich zwar in Fachwerken geschildert, jedoch weniger in den eurozentrisch ausgerichteten Schilderungen über das letzte Kriegsjahr.
Fazit
Kurz: Theo Sommer hat ein - beeindruckendes - Kompendium über das letzte Kriegsjahr vorgelegt, in der mir die persönlichen Erinnerungen des Autors zwar etwas zu kurz kommen, die aber einen bleibenden Eindruck für uns Nachlebende hinterlassen. Dem Fazit des Autors: "Den Deutschan hat das blutige, wirre, entsetzliche Jahr 1945 eine ganz spezielle Hypothek hinterlassen. Entwurzelt, wie sie waren, umhergewirbelt, ortlos und in die Ungewissheit gestoßen, hatten sie keinen sehnlicheren Wunsch, als wieder Wurzeln zu schlagen, inmitten der Trümmer eine feste Bleibe zu finden, am liebsten ein Haus zu gbauen. Auf Sicherheit war ihr Verlangen gerichtet nach all der Unsicherheit, auf Ordnung nach all der Unordnung, auf Ruhe nach so viel Unruhe" ist kaum etwas hinzuzufügen. Ein eindrucksvolles Werk.
10 Sterne10 Sterne10 Sterne10 Sterne10 Sterne10 Sterne10 Sterne10 Sterne10 Sterne10 Sterne

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Vorgeschlagen von Bernhard Nowak [Profil]
veröffentlicht am 22. Januar 2006

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