Jason Starr: Top Job

Top Job

Verlag: Diogenes Verlag [mehr Bücher von diesem Verlag zeigen]
Sparte: Thriller
ISBN-13 978-3-257-23165-6

Preis: 9,90 Euro bei Amazon.de [Stand: 01. Oktober 2016]
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Jason Starr hat hier einen hervorragenden Thriller in der Tradition von James M. Cain und Jim Thompson geschrieben. In Ich-Perspektive berichtet der Telefonverkäufer Bill Moss über sein Abgleiten in die Kriminalität. Bill Moss, knapp über 30, wohnt in New York mit seiner jüdischen Freundin Julie zusammen. Obwohl er glänzende Qualifikationen aufweisen kann, findet er keine Stelle in der ihn interessierenden Werbebranche. Vorübergehend arbeitet er in der Firma A.C.A. als - unterbezahlter - Telefonverkäufer und ist Mobbing und anderen Schikanen seiner Vorgesetzten hilflos ausgeliefert. Dennoch gelingt es ihm, in der Firma aufzusteigen und die Sympathien seines direkten Vorgesetzten zu erlangen. Da Moss sich aber mit dem Präsidenten der Firma noch besser versteht als mit seinem unmittelbaren Chef, sieht dieser seine Position in Gefahr und kündigt Moss. Daraufhin dreht dieser durch und bringt seinen Vorgesetzten um. Ob der Mord unentdeckt bleibt...
"Jason Staarr zerrt vor allem dadurch an den Nerven, dass er mit der neuen kollektiven Angst vor wirtschaftlichem Abstieg und Arbeitslosigkeit spielt" heißt es auf der Rückseite des Buchumschlages. Doch noch mehr: der Workaholic Bill kann Niederlagen nicht verkraften; endlich will er so viel "wert" sein wie die - snobbistischen - Freunde seiner Freundin. Als er wieder "nach unten gestoßen" werden soll, wird er aus Verzweiflung zum Mörder.

Der Ich-Erzähler ist keineswegs sympathisch. Der Leser kann mit Schrecken verfolgen, wie der gefürchtete Verlust vor sozialer Sicherheit und Anerkennung einen normalen Durchschnittsmenschen zum Mörder werden lassen. Mir ging es so: zeitweise - insbesondere beim Mord an seinem rassistischen Vorgesetzten - kam bei mir sogar "Mitleiden", ja ein gewisses Verständnis für den Täter auf. Der Plot ist voller Überraschungen, wenn auch nicht alle Charaktere differenziert ausgefeilt sind. An James M. Cain und Jim Thomas kommt Jason Starrs Werk daher meines Erachtens nicht ganz heran; zu "eindimensional" sind die Charaktere gezeichnet. Auch der Schluss konnte mich nicht ganz überzeugen; er wirkt etwas "weit" hergeholt und etwas aufgesetzt. Der - unentdeckte - Mord soll nicht straflos bleiben...
Fazit
Insgesamt jedoch ein überdurchschnittlich spannender und sehr bösartiger Thriller, der mich nachdenklich zurückgelassen hat; neben der Handlung regt er dazu an, darüber nachzudenken, inwieweit bereits die Furcht vor sozialem Abstieg, mangelnder Anerkennung im Freundeskreis und anderer Beziehungen den Einzelnen zu Verbrechen befähigt, an die er zuvor nicht denken wollte. Hat denn jeder den "Mörder in sich" - um einen Titel von Jim Thompson zu zitieren, in dessen rabenschwarzer Tradition Starr steht?
8 Sterne8 Sterne8 Sterne8 Sterne8 Sterne8 Sterne8 Sterne8 Sterne8 Sterne8 Sterne
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Vorgeschlagen von Bernhard Nowak [Profil]
veröffentlicht am 28. Oktober 2005

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