Christian Hacke: Zur Weltmacht verdammt - Neuauflage 2005

Zur Weltmacht verdammt - Neuauflage 2005

Verlag: Econ Ullstein List Verlag [mehr Bücher von diesem Verlag zeigen]
Sparte: Politik
ISBN-13 978-3-548-36722-4

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Ich habe zu dem vorliegenden Buch bereits eine Rezension zu einer früheren Auflage verfasst. Die Neuauflage 2005 enthält jedoch eine solche grundlegende Überarbeitung und Konzeption, dass ich persönlich sagen muss: ich habe bislang kein Buch gelesen, welches sich so differenziert und kenntnisreich mit der Außenpolitik von George Bush und der Rolle der USA im 21. Jahrhundert befasst, wie die vorliegende Neuausgabe. Der Autor, Christian Hacke, kündigt im Vorwort zutreffend an, dass er die Neuauflage seines Buches stark erweitert und um folgende Fragestellungen erweitert hat:
1. Der Faktor Religion wird mit Blick auf seine Bedeutung für die amerikanische Außenpolitik erstmals ausführlich berücksichtigt
2. Die unterschiedlichen außenpolitischen Kulturen in den USA werden analysiert
3. Ein Kapitel enthält die transkaukasischen Beziehungen der USA und rückt so die geopolitischen Perspektiven der US-Außenpolitik in das Blickfeld.
4. Es liegt erstmals eine differenzierte, nicht einseitig betrachtende Analyse der Außenpolitik von George Bush vor
5. Das Kapitel über die außenpolitischen Denkschulen der USA wurde erweitert
6. Ein - imposantes und grandioses Schllusskapitel beleuchtet die Rolle der USA in der Welt des 21. Jahrhunderts und untersucht die Frage, ob die USA heute als sanfter Hegemon, als Weltordnungsmacht oder als Imperialmacht neuen Typs zu bezeichnen sind.

Besonders letzteres Kapitel zur Rolle der USA im 21. Jahrhundert ist nicht nur interessant, sondern für die Analyse von weltpolitischen Prozessen unverzichtbar. Der Autor beleuchtet mehrere Szenarien. Es könnte eine Bipolarität zwischen den USA und der VR China entstehen. Es könnte ein konfrontatives Machtdreieck USA-China-Rußland entstehen. Als konstruktive Gegenmacht (Hacke) könnte eine Triade USA-Europa-Japan sich im Zuge der Dynamik von Globalisierung weiterentwickeln. Vorstellbar ist daher eine Rückkehr zur Multipolarität und einem Gleichgewichtsdenken, wie es das 19. Jahrhundert geprägt hat. Dieser "hegemonial-multilaterale Altruismus" sei allerdings zu schön, um wahr zu werden. Es könne auch eine unipolare Weltmacht unter dem Imperium oder Hegemon USA entstehen. Hacke unterscheidet zwischen klugen und unklugem Unilateralismus. Klug sei Unilateralismus dann zu nennen, wenn die USA in Folge ihrer überwältigenden Machtfülle alleine entschieden, für ihre Entscheidungen jedoch Gefolgschaft fänden, weil diese nachvollziehbar seien. Als Beispiel wird die Anti-Kriegs-Koalition im 1. Golfkrieg 1990/91 unter George H. W. Bush (senior) angeführt. In jedem Fall läge die "imperiale Versuchung" heute darin, unklugen Unilateralismus zu betreiben, d.h. die Führung der Welt gegen den Willen der Staatengemeinschaft durchzusetzen. Dies zeigt, dass Hacke die Politik der Regierung Bush junior durchaus auch sehr kritisch betrachtet. Wie in all seinen Publikationen geht er allerdings mit der rot-grünen Außenpolitik während des Irak-Krieges sehr ins Gericht. Die Politik der Regierung Schröder/Fischer habe zu einem Einflussverlust in Washington geführt, ihre Argumente seien ungeschickt formuliert worden. Weil die Regierung Schröder/Fischer Bush als Kriegstreiber hingestellt habe, sei Deutschland am Ende machtpolitisch geschwächt und isoliert worden. Von Isolierung kann zwar keine Rede sein, die Bedenken Hackes, die er auch jüngst in der Zeitschrift: "Internationale Politik" Heft 8/2005 pointiert wiederholt hat, sind allerdings ernst zu nehmen.
Fazit
Ich selber habe kein Buch gelesen, welches so verständlich geschrieben war, differenziert argumentiert hat und mir einen derartigen Einblick nicht nur in die amerikanische Außenpolitik, sondern auch die amerikanische Mentalität vermittelt hat - auch wenn ich in einigen Punkten anders denke als Hacke. Die Feststellung des früheren Außenminsters Genscher, dessen Laudatio auf Hackes Buch im - unveränderten - Vorwort von 1997 nachzulesen ist, ist zutreffend: Hacke habe den Mut gehabt, eine Gesamtdarstellung der amerikanischen Außenpolitik der letzten 25 Jahre vorzulegen. Dies verlange Mut. "Den Mut, nicht nur orientierende Schneisen in die Überfülle von Fakten zu schlagen, sondern diese auch kritisch zu werten. Christian Hacke hat diese doppelte Herausforderung gemeistert. Er hat eine hervorragend lesbare und zugleich differenzierte Darstellung amerikanischer Außenpolitik geschrieben. Eine Darstellung, die ihren Reiz nicht zuletzt auch von Christian Hackes Kunst der Zuspitzung bezieht, jedoch nie das Gebot der Ausgewogenheit verletzt". Ich kann mich - gerade was die Neuauflage angeht - diesem Fazit nur anschließen. Für mich das beste Buch über amerikanische Außenpolitik und die Rolle der USA im kommenden Jahrhundert, die ich kenne.
10 Sterne10 Sterne10 Sterne10 Sterne10 Sterne10 Sterne10 Sterne10 Sterne10 Sterne10 Sterne
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Vorgeschlagen von Bernhard Nowak [Profil]
veröffentlicht am 23. August 2005

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