Birgit Vanderbeke: Sweet Sixteen

Sweet Sixteen

Verlag: S. Fischer [mehr Bücher von diesem Verlag zeigen]
Sparte: Belletristik
ISBN-13 978-3-10-087026-1

Preis: aktuell keine Daten vorhanden
Unverständnis der Jugend gegenüber der Welt der Erwachsenen: unzählige Romane und Filme haben dies thematisiert: man denke an die Filmklassiker mit James Dean, man denke an Salingers "Fänger im Roggen". Nun legt eine der bekanntesten und besten deutschen Gegenwartsautorinnen, Birgit Vandereike, einen Kurzroman vor, der sich genau mit diesem Thema befasst. Doch - um es gleich zu sagen - er kommt an die Vorbilder nicht heran und enttäuscht letztlich. An ihrem 16. Geburtstag verschwinden zahlreiche Jugendliche, um versteckt ein eigenes Leben zu führen. T-Shirts mit den Slogans: "Sweet Sixteen" tauchen auf, die Eltern - in der Regel - mit einer Ausnahme - gutbürgerlich und situiert, fühlen sich ratlos und unverstanden; sie waren davon ausgegangen, zur "Jugend" ein unverkrampftes Verhältnis zu haben. Unter anderem verschwindet auch der Sohn einer Fernsehmoderatorin, die auch populäre Erziehungsratgeber geschrieben hatte. Allen Jugendlichen ist gemeinsam, dass sie gerne surfen und plötzlich alle Bindungen verwerfen, um ihr eigenes Leben in anonymen Großstädten zu führen.
Das Thema ist zweifellos interessant und zeitlos. Aber der Roman bleibt letztlich an der Oberfläche. Wenn man andere Titel der Autorin, etwa "Muschelessen" gelesen hat, so bleibt auch die sprachliche Prägnanz dieses Titels deutlich hinter den Vorgängern zurück. Das Buch wirkt leicht dahingeworfen; die Motive beider Seiten kommen nicht heraus. Hätte die Autorin nicht - wie Salinger - einen Roman in Ich-Form oder in mehrern Erzählperspektiven entwerfen können? Der Leser legt das Buch aus der Hand und ist so klug wie zuvor; zwar ist das Buch unverkennbar mit Sympathie für die "Ausreißer" geschrieben worden, aber deren Motivation kommt überhaupt nicht heraus; wie meisterhaft hatte etwa Salinger eine Charakterstudie seines Helden entworfen; dieses Buch packte. Hier jedoch werden die Phänomene der modernen Massengesellschaft - Vereinsamung, Verlust an Sozialkontakten - zwar angesprochen, aber im Grunde nicht reflektiert - eine Art "Generaton Golf" zwei.
Fazit
Letztlich wirkt das Buch - so hart urteile ich - wie Dutzendware: ein Erziehungsratgeber mehr unter dutzenden anderen - schade, eigentlich, denn das Thema verdient es, umfangreicher behandelt und reflektiert zu werden. Eine gute Idee wurde meiens Erachtens unbefriedigend umgesetzt. Schade.
3 Sterne3 Sterne3 Sterne3 Sterne3 Sterne3 Sterne3 Sterne3 Sterne3 Sterne3 Sterne
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Vorgeschlagen von Bernhard Nowak [Profil]
veröffentlicht am 13. August 2005

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