Sebastian Haffner: Die deutsche Revolution 1918/19

Die deutsche Revolution 1918/19

Verlag: Rowohlt Verlag [mehr Bücher von diesem Verlag zeigen]
Sparte: Sachbuch
ISBN-13 978-3-499-61622-8

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Sebastian Haffners Buch:: "Die deutsche Revolution 1918/19" (auch unter dem Titel: "Der Verrat" bei einem anderen Verlag erschienen)behandelt das Ende des ersten Weltkriegs und die deutsche Revolution von 1918/19. Verdienstvoll an Haffners Studie ist, dass er eindeutig mit der sogenannten "Dolchstoßlegende" aufräumt, die besagt, dass das deutsche Heer von hinten "erdolcht" und nicht im Felde besiegt worden sei. In der Tat verlangte insbesondere General Ludendorff im September 1918 ultimativ von den Politikern die Kapitulation. Er wollte - so Haffner zutreffend - dass die zivilen Politiker der Friedensparteien SPD, Zentrum und Linksliberalen, die seit 1917 unter Führung Erzbergers auf einen Verständigungsfrieden mit den Westmächten hingearbeitet hatten, nun nach dem Ende der Niederlage die Verantwortung für den Friedensschluß übernehmen sollten, der eigentlich den Militärs und der Reichsleitung zukam. Haffner arbeitet gut heraus, wie die führenden Militärs selbst die zivile Reichsleitung in die Irre geführt haben.
Haffner bestreitet dann allerdings, dass es sich bei den sogenannten Revolutionären von 1918/19, insbesondere den Kieler Matrosen um radikale Kommunisten gehandelt habe, die eine Diktatur nach dem Vorbild der russischen Bolschewisten hätten errichten wollen. Im Gegensatz zur herrschenden westdeutschen Geschichtsschreibung, etwa den Werken von Karl-Dietrich Bracher oder Heinrich-August Winkler sieht er in den Matrosen irregeleitete Idealisten, die von den SPD-Politikern Ebert und Noske verraten worden seien. Diese hätten ein Bündnis mit den herrschenden Eliten (Ebert-Gröner-Pakt) gesucht und sich somit mit den späteren Totengräbern der Weimarer Republik selber eingelassen. Dies ist - kurzgefasst - die These Haffners. Sie ist jedoch nicht objektiv. Theodor Wolff, der große Journalist des Berliner Tageblattes, der später von den Nationalsozialisten verfolgt und grausam ermordet worden ist, hat anläßlich des Todes Friedrich Eberts im Februar 1925 erklärt: Wenn die Kommunisten und Bolschewisten, denen er [Ebert] den Weg zur Macht im letzten Moment versperrte, ihn hassten, so bliebe dies erklärlich und man möge dies den Enttäuschten verzeihen. Wenn aber die Gegner der Republik von rechts Ebert die angemessene Würdigung versagten, so sei dies schnöder Undank. Ebert war vielmehr ein sehr weitsichtiger Politiker. Er wollte die Demokratie - aber auch die Monarchie erhalten, denn er wußte, dass eine gewisse Kontinuität für das Gedeihen des neuen Staatswesens nötig war angesichts der zahlreichen Umbrüche, die auf die demoralisierte und verunsicherte Gesellschaft zukam. Immerhin hatte die Monarchie in Deutschland eine lange Tradition. Und ist es denn von der Hand zu weisen, dass eine parlamentarische und konstitutionelle Monarchie zu jener Zeit eher dazu beigetragen hätte, die "deutsche Katastrophe", den Abfall in das Hitler-Regime zu verhindern als eine Republik, die niemand wollte oder eine Räterepublik, die Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht favorisierten und die sehr wohl zu einer kommunistischen Diktatur hätte führen können? Haffner setzt sich mit diesen Gründen - und diese bestimmten die Gedankengänge Eberts und Noskes damals - nicht genügend auseinander. Nicht Ebert und Noske, sondern Hindenburg und Ludendorff waren die Totengräber des neuen Systems, indem sie diesem die Schuld für ihre Niederlage aufhalsten und die Dolchstoßlegende schufen und es war Hindenburg, der als Reichspräsident 1933 Hitler ernannte und damit der Weimarer Republik den Todesstoß versetzte - nicht Ebert und Noske. Insofern fehlt es Haffner hier - im Gegensatz zu seinen sonstigen Büchern - an Weitblick und Objektivität. Dies ist aus meiner Sicht zu kritisieren. Dennoch: seine Aussagen zur Rolle der Militärs am Kriegsende sind treffend und seine Thesen pointiert und streitbar - wie immer.
Fazit
Das Buch ist spannend geschrieben und zwingt den Leser, gegen den Stachel zu denken. Insofern dennoch lesenswert. Aus obigen Gründen aber nicht - wie die anderen Bücher Haffners - mit voller Punktzahl zu bewerten.
6 Sterne6 Sterne6 Sterne6 Sterne6 Sterne6 Sterne6 Sterne6 Sterne6 Sterne6 Sterne
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Vorgeschlagen von Bernhard Nowak [Profil]
veröffentlicht am 07. August 2005

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