Marie Haller-Nevermann: Friedrich Schiller: Ich kann nicht Fürstendiener sein

Friedrich Schiller: Ich kann nicht Fürstendiener sein

Verlag: Aufbau Verlagsgruppe [mehr Bücher von diesem Verlag zeigen]
Sparte: Biografie
ISBN-13 978-3-351-03018-6

Preis: 2,99 Euro bei Amazon.de [Stand: 28. September 2016]
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Um es gleich zu sagen: Unter den zahlreichen Neuerscheinungen zum Schillerjahr 2005 halte ich die vorliegende, reich bebilderte und fesselnd geschriebene Biographie von Marie Haller-Nevermann für die beste Biographie des "Dichters der Freiheit" überhaupt. Marie Haller-Nevermann gelingt es nicht nur, Interesse für den Dichter zu wecken, sie bietet mit diesem Buch auch eine fesselnde Geistes- und Gesellschaftsgeschichte an. In einer Einführung unterscuht sie Geisteshaltung und Künstlerpersönlichkeit. Jedem Kapitel über sein Leben wird ein "Portrait" hinzugefügt. Dieses untersucht bestimmte Facetten seiner Persönlichkeit, etwa sein Interesse für Psychologie, seine Freundschaften, sein Verhältnis zur Musik. Besonders interessant fand ich aber auch die Wirkungsgeschichte Schillers und vor allem eine Rezeption seiner - sehr unterschiedlichen - Wirkungsgeschichte in der Bundesrepublik und der DDR. Der Vereinnahmung des Dichters durch beide Länder widersetzte sich Thomas Mann mit seiner "Rede über Schiller", die er gleichlautend in West und Ost im Mai 19855 - also kurz vor seinem Tode hielt. Kritisch geht die Autorin auf die Entscheidung der Kultusminister von 1972 ein, im Rahmen der Oberstufenreform die Lektüre von Schillers Werken nicht mehr zum obligatorischen Unterrichtsstoff zu machen. Was den Schülern hier entgeht, wird in dieser hervorragenden Biographie deutlich. Schiller war - wie es "Damals", das Magazin für Geschichte im Mai 2005 in seinem Titelthema zu recht konstatierte, der "Dichter der Freiheit", der im 19. Jahrhundert - sicherlich zu recht - zum Nationaldichter der Deutschen wurde. Auch Frau Haller-Nevermann bilanziert: "Wenn im Jahre 2005 aus Anlaß des 200. Todestages nach der Bedeutung Schillers für das 21. Jahrhundert gefragt wird, so ist eines festzuhalten. Auch im Zeitalter der Globalisierung wird Schiller nicht nur als Klassiker Geltung beanspruchen können. Die Figuren eines Franz und Karl Moor, eines Ferdinand, eines Karlos und Marquis Posa, der Jungfrau von Orleans, einer Maria Stuart und eines Wallenstein sind von aktueller Bedeutung. Ihre Niederlagen und ihre Siege vermitteln eine aufklärerische Botschaft. Das in den "Briefen zur ästhtetischen Erziehung" entworfene konzept einer ganzheitlichen Humanität, Schillers Glaube an die Entwicklungsfähigkeit des Menschen, hat eine den Kriterien der Aufklärung verfplichtete Aussagekraft. In seinem Werk finden wir nicht nur die Postulate humaner Menschlichkeit, es gibt auch Auskunft über die Psychologie politischer Konflikte und die sozialpsychologischen Dimensionen historisch-politischer Kämpfe. Schiller wird auch für das 21. Jahrhundert der moderne Klassiker bleiben" (S. 256/57). So ist es.
Fazit
Den Zugang zur Vielfältigkeit seines Wirkens dargeboten zu haben, darin liegt - neben der wunderbaren bibliophilen Gestaltung durch den Aufbau-Verlag - die große Leistung der promovierten Germanistin.
10 Sterne10 Sterne10 Sterne10 Sterne10 Sterne10 Sterne10 Sterne10 Sterne10 Sterne10 Sterne

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Vorgeschlagen von Bernhard Nowak [Profil]
veröffentlicht am 11. Juni 2005

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