Das vorliegende Buch stellt aus meiner Sicht neben dem Werk von Gert Krell (2.
Aufl., 2003) die beste Einführung in die Theorien der Internationalen
Beziehungen dar. In einer ausführlichen Einleitung begründen die Herausgeber
Siegfried Schieder und Manuela Spindler ihre Einteilung und Methodik. Im
Gegensatz zu Krell findet sich der Begriff des Institutionalismus nicht als
eigene "Großtheorie" der Internationalen Beziehungen, sondern wird
unter dem Schlagwort: "Interdependenz" abgehandelt. Die englische
Schule wird - im Gegensatz zu Krell, der sie unter dem Begriff
"Institutionalismus" einordnet - dagegen als eigene Schule
begriffen.
Der große Vorteil der Beiträge ist ihre Ausführlichkeit, die es erlaubt, das Denken der Theoretiker (etwa Morgenthaus als "Urvater" des "Realismus") im Detail zu erfahren. Alle anderen mir bekannten Einführungen zum Thema sind bei der Darstellung der Großtheorien relativ kurz und sporadisch. Dies gilt auch für das oben erwähnte Buch von Krell. Leider kommen Ansätze der kognitiven Psychologie, die bei Krell gut dargestellt sind (vgl. Krell: Kapitel 12) ebenso wie der "vernachlässigte Faktor Subjektivität" (Reiner Steinweg) schlicht nicht vor. Auch die Übersichtlichkeit lässt zu wünschen übrig. So kann der Verzicht auf die "Großtheorie" Institutionalismus - auch unter Bezug auf eine/n Referenztheoretiker (Einleitung, S. 25) nicht überzeugen. Fazit
Fazit: es fehlt nach wie vor eine lückenlose Gesamtdarstellung der Theorien der
Internationalen Beziehungen, auch wenn dieses Werk - neben dem von Krell - das
beste auf dem deutschsprachigen Buchmarkt zu diesem Thema darstellt.
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