Was ist los, wenn der tote Familienvater als einziges ein vergilbtes Foto eines
fremden jungen Mannes bei sich trägt? Warum ist er vom Fahrrad gefallen und im
Strassengraben erfroren? Wie kann sich ein kleines Mädchen dagegen wehren, mit
kompromißlosen Ernährungsregeln schickaniert und zum ewigen Außenseiter
abgestempelt zu werden? Die Antworten darauf, und noch viele weitere gibt die
Schweizer Autorin Ursula Fricker in ihrem Romandebüt "Fliehende
Wasser". Beklemmung macht sich breit, wenn sie erzählt, wie schweizerische
Ordnungsliebe in Verbindung mit unerbittlicher Engstirnigkeit und
gesellschaftlichen Konventionen das Leben einer Kleinfamilie zur privaten Hölle
machen. Eindringlich und in klaren, präzisen Worten beschreibt sie, wie es ist,
nach außen hin zu funktionieren, während es im Inneren brodelt. Und gewiß sollte
niemand die Oberfläche ankratzen, denn was darunter an verborgenen Sehnsüchten
und Frustrationen lauert, könnte ausreichen, um den ganzen Vulkan zur Explosion
zu bringen...
Fazit
Ursula Fricker zeigt sehr schön, daß man keinen Horror-Roman lesen muß, um sich
ordentlich zu gruseln. Es reicht zu sehen, was manche Menschen sich und ihren
Kindern antun... Um eine solche Gänsehaut zu erzeugen, muß ein Buch gut
geschrieben sein... dieses ist es!
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