Jakob Arjouni gehört meines Erachtens zu den wichtigsten Schriftstellern in
Deutschland. Seine Kayankaya-Romane wurden - zu recht - mit den Meistern des
Genres, Dashiell Hammett und Ross Macdonald, verglichen. Meisterhaft - und dies
gilt auch wieder für dieses Werk - ist einerseits seine feine Beobachtungsgabe
und die Fähigkeit, Spannung und Atmosphäre zu schaffen. Dies gelingt ihm auch
hier: Deutschlehrer Linde hat nicht nur eine schwierige Oberstufenklasse,
sondern auch familiäre Schwierigkeiten. Schließlich muss er sich für
Vorkommnisse in seinem Unterricht im Lehrerkollegium rechtfertigen.
Alles sehr spannend beschrieben und dargestellt. Aber: trotz allem wirkt die Handlung arg strapaziert, die Charaktere zu stereotyp. Beispielsweise wird im ersten Kapitel eine Diskussion in einer Oberstufenklasse über Nationalsozialismus und die Haltung der Deutschen dazu dargestellt. Sie eskaliert, weil sich zwei Schüler in die Haare bekommen. Der Lehrer schaut hilflos zu. Ich dachte mir: nie und nimmer läuft so eine Diskussion ab. Alles wirkt zu plakativ, zu "gewollt". Daher bleibt bei mir ein etwas zwiespältiger Eindruck. Fazit
Insgesamt dennoch empfehlenswert. Es ist erstaunlich, wie "frisch" und
"vielseitig" sich Arjouni immer wieder präsentiert und wie genau er
Spießertum und Schmutz in unserer ach so feinen "bürgerlichen"
Gesellschaft entlarvt. Lesenswert
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