Alain Demurger: Der letzte Templer: Leben und Sterben des Großmeisters Jacques de Molay

Der letzte Templer: Leben und Sterben des Großmeisters Jacques de Molay

Verlag: Verlag C. H. Beck [mehr Bücher von diesem Verlag zeigen]
Sparte: Sachbuch
ISBN-13 978-3-406-52202-4

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Alain Demurger hat bereits eine Geschichte der Templer vorgelegt. Nun legt er eine lesenswerte Biographie des letzten Großmeisters der Templer, Jacques de Molay, vor und analysiert anhand seines Schicksals den Untergang der Templer, die der Machtgier des französischen Königs Philips IV. im Wege standen.
Ich habe mich durch die Lektüre von Maurice Druons: "Der Fluch aus den Flammen" für das Schicksal der Templer interessiert und muss sagen, Demurger ist - auch durch seine frühere Publikation: "Die Templer" der Experte auf diesem Gebiet. Der französische König Philipp IV. wollte mit seinen Ratgebern, den sogenannten "Legisten" einen starken Staat mit einheitlicher Münzverwaltung und Armee aufbauen. Dafür brauchte er dringend Geld. Dieses besaßen die Templer, die allerdings durch Korruption und Affairen geschwächt waren. Der französische König setzte seine Interessen als kühler Machtpolitiker gegen Kirche und Templerorden durch. Den Nachfolger des von ihm abgesetzten Papstes, Bonifaz VIII., Clemens V., ließ er nach Avignion bringen und brachte so die Kirche in seine Abhängigkeit. Auch der Papst stimmte der Vernichtung der Templer zu. 1308 schlägt der König zu und setzt die Templer einschließlich des Großmeisters gefangen. 6 Jahre lang muss Jacques de Molay in Kerkern schmachten, bevor er 1314 mehrerer fingierter Verbrechen angeklagt wird. Aufgrund von barbarischen Foltern zu Geständnissen erpresst, wird er zu lebenslanger Haft verurteilt. Doch als das Urteil verkündet wird, widerruft er sein erzwungenes Geständnis. Philipp IV. beschließt daraufhin, dass er am selben Abend verbrannt werden sollte. Jacques de Molay, der nach einer Sage König und Papst in den Flammen verflucht haben soll (beide starben noch im selben Jahr 1314) war - wie Demurger treffend aufzeigt - eine tragische Gestalt und der Machtpolitik des Königs nicht gewachsen. Die Zeit der Templer und damit auch des Mittelalters, lief ab. Zentralisation der Staatsgewalt unter einen Monarchen ohne Duldung weiterer Machtzentren war das - machiavellistische - frühe Prinzip des französischen Königs, der um dieses Machtanspruchs willen mit der Kirche und den Templern aneinandergeriet und diese als rivalisierendes Machtzentrum vernichtete.

Dies zeigt Demurgers spannende Darstellung auf. Zwar zeigt Demurger, dass die angebliche Verfluchung des Königs und des Papstes in den Bereich der Legende gehört und historisch nicht nachweisbar ist. Der - schon bei Druon packend - beschriebene Konflikt zwischen Templern und französischer Krone wird allerdings packend dargestellt, Jacques de Molay als tragische Gestalt gewürdigt.
Fazit
Ein sehr gut geschriebenes, quellennahes Buch des "Kenners" der Materie. Für Interessierte des Mittelalters und der unruhigen Epoche des frühen 14. Jahrhunderts, welches Barbara Tuchman als "fernen Spiegel" bezeichnet hat, eine wahre Fundgrube. Interessant ist das Buch auch für Leser des spannenden historischen Romans: "Der Fluch aus den Flammen" von Maurice Druon.
10 Sterne10 Sterne10 Sterne10 Sterne10 Sterne10 Sterne10 Sterne10 Sterne10 Sterne10 Sterne

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Vorgeschlagen von Bernhard Nowak [Profil]
veröffentlicht am 09. Oktober 2004

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