Barbara Tuchman: August 1914

August 1914

Verlag: Fischer Taschenbuchverlag [mehr Bücher von diesem Verlag zeigen]
Sparte: Sachbuch
ISBN-13 978-3-596-15395-4

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Die "Urkatastrophe des Zwanzigsten Jahrhunderts" - so hat ein Spiegel-Spezial im Januar 2004 den Ersten Weltkrieg beschrieben. Der Erste Weltkrieg war der erste totale Krieg in der Geschichte der Menschheit und verursachte letztlich den Aufstieg der faschistischen Bewegungen in Europa und den Aufstieg Adolf Hitlers zum deutschen Diktator 1933. Er forderte annähernd 15 Millionen tote und war der erste mit Gas industriell geführte Krieg.
Welche Motive führten zum Krieg? Dieser Frage ging - bereits 1962 - Barbara Tuchman in ihrem ausgezeichneten Buch nach. Im Gegensatz zu den Publikationen vno Fritz Fischer ("Griff nach der Weltmacht", 1961, "Der Krieg der Illusionen") weist Barbara Tuchman zwar in ihrem Buch der deutschen Regierung und ihrem Streben nach einem "Platz an der Sonne" eine erhebliche Mitschuld, jedoch nicht die Alleinschuld an der Entstehung des Krieges nach. Sie zeigt in ihrem einflussreichen und bis heute bekanntesten Buch die Fehleinschätzungen und Fehlwahrnehmungen aller beteiligten Staaten und Akteure auf. Durch Richard Ned Lebow sind ihre Hauptthesen, diese Fehleinschätzungen und Feindbilder aller Akteure habe entscheidend zum Weltkrieg beigetragen, inzwischen bestätigt worden (sein Beitrag zur Juli-Krise 1914 in: "Between Peace and WAr: The Nature of International Crisis" von 1981 wurde 1987 im Buch: "Kriegsursachen", hrsg. von der Hessischen Stiftung für Friedens- und Konfliktforschung ins Deutsche übersetzt) wird von Barbara Tuchman bereits 1962 bestätigt, wobei sie sich auf einen allgemein gültigen Forschungskonsens in der Historikerzunft berufen konnte, der erst von Fritz Fischer mit seinen Publikationen in Frage gestellt wurde. Obwohl heute in Teilen überholt und recht breit geschrieben, scheinen neuere Publikationen zum Thema wieder zu Barbara Tuchmans Sicht, dass es eine eindeutig definierbare Kriegsschuld einer Nation beim Ausbruch des Ersten Weltkrieges - im Gegensatz zum Zweiten Weltkrieg - nicht gegeben habe, zu bestätigen. Ein erneuter Grund, das Buch zu lesen.

Außerdem war das Buch in anderer Hinsicht sehr einflussreich: US-Präsident John F. Kennedy hatte das Buch nach seinem Erscheinen im Sommer 1962 gelesen und erkannt, wie schnell eine internationale Krise durch Fehleinschätzungen durch die führenden Akteure zum Krieg eskalieren kann. Die friedliche Beilegung der Kuba-Krise 1962 und sein Bemühen, Chruschtschow zu verstehen und diesen das "Gesicht wahren" zu lassen, beruhen ganz wesentlich auf der Lektüre dieses Buches, wie Kennedys Bruder Robert in seinem Wek: "13 Tage" geschrieben hat.


Fazit
Auch unter diesem Aspekt ist Barbara Tuchmans eindrucksvolles Werk interessant zu lesen, wenn es auch Geschichte sehr breit erzählt. Zielgruppe sind daher in erster Linie Laien, nicht Wissenschaftler. Es ist nicht mehr ganz auf dem neuesten Forschungsstand, aber nach wie vor ein wichtiger Klassiker zum Thema.

7 Sterne7 Sterne7 Sterne7 Sterne7 Sterne7 Sterne7 Sterne7 Sterne7 Sterne7 Sterne
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Vorgeschlagen von Bernhard Nowak [Profil]
veröffentlicht am 25. August 2004

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