Andreas Herberg-Rothe: Der Krieg: Geschichte und Gegenwart

Der Krieg: Geschichte und Gegenwart

Verlag: Campus Verlag [mehr Bücher von diesem Verlag zeigen]
Sparte: Politik
ISBN-13 978-3-593-37236-5

Preis: 12,90 Euro bei Amazon.de [Stand: 29. September 2016]
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Andreas Herberg-Rothe legt hier eine Bilanz der Forschung über das Phänomen Krieg vor. Sein sehr gehaltvolles Bändchen erweist sich als kompakter und kompetenter Forschungsbericht zu diesem Thema. Er zeigt, dass wir es ganz offensichtlich nach dem 11. September 2001 mit einer neuen Form von Kriegen zu tun haben und bilanziert: "Die neuen Kriege sind gekennzeichnet durch den Verfall von Statlichkeit und Überhandnehmen privatisierter Gewalt, das Auftreten scheinbar längst der Vergangenheit angehörender Waffenträger wie Södlner, Kindersoldaten und Warlords sowie durch Kämpfe um Identität, Bodenschätze und grundlegende Existentielle Ressourcen wie etwa Wasser. Ihr äußeres Kennzeichen ist das vermehrte Auftreten irrational scheinender und exzessiver Gewalt..." (S. 8).
Herberg-Rothe geht im Anschluss an Clausewitz, dessen erschreckende Aktualität angesichts der Begriffe von Krieg und Terrorismus erschreckend deutlich wird (der Autor nimmt hier auch Bezug auf seine frühere Studie "Das Rätsel Clausewitz) von einem einheitlichen Kriegsbegriff aus, der aus Gewalt, Kampf und die zugehörigkeit der Kämpfenden zu einer umfassenderen Gemeinschaft definiert sei.

Der Autor erläutert auch die Begriffe Gewalt, welche im Krieg kein Selbstzweck, sonern Mittel sei. Außerdem beschreibt er das Merkmal der "neuen Kriege" und des modernen internationalen Terrorismus, die sogenannte Asymetrik des Krieges. Terrorismus sei keine moderne Erscheinung (S. 80,), terroristische Anschläge seien als asymetrische Kriegsführung zu bezeichnen, die darauf ziele, dem Gegner maximalen Schaden zuzufügen (S. 81). Wie auch Herfried Münkler in seinem Werk: "Die neuen Kriege" geht Herberg-Rothe von einer Vielfalt der Kriegsursachen aus, so dass von einer Monokausalität von Kriegsursachen nicht gesprochen werden kann.

Das Buch behandelt auf 142 Seiten wesentliche Aspekte der Kriegsforschung und ist übersichtlicher strukturiert und als Einführung daher besser geeignet als Herfried Münklers "Die neuen Kriege".

Was mir zu kurz kommt ist die Erörterung von Strategien zur Kriegsvermeidung oder sogenannte Friedensstrategien. So ist es meines Erachtens bezeichnend, dass in der - sonst hervorragenden - Literaturliste das grundlegende Werk von Czempiel: "Friedensstrategien" nicht erwähnt wird.

Auch eine genaue Ursachenforschung des modernen Terrorismus, die Ursachen des "Fundamentalismus des Terrors" wie sie - hervorragend - John Gray, früherer Berater der britischen Premierministerin Thatcher, in seinem Buch "Die Geburt al-Qaidas aus dem Geist der Moderne" (Kunstmann-Verlag, 2004, die beste Analyse des derzeitigen internationalen Terrorismus, die ich kenne), der den modernen Terrorismus als Abwehrreaktion gegen den Geist der Moderne beschreibt, findet nicht statt. Dies ist aber hier eher zu entschuldigen, da dieses Thema für eine Einführung in die Thematik wohl zu kompex ist.
Fazit
Insgesamt wird der Forschungsstand zu dem Thema hervorragend dokuemtiert, die diesbezüglichen Arbeiten, etwa von Peter Waldmann (dessen neues Werk: "Terrorismus und Bürgerkrieg" noch nicht in der Literaturliste aufgeführt ist, wohl aber frühere Arbeiten des Autors), Herfried Münkler, Wolfgang Sofsky, Trutz von Trotha, Martin van Creveld und vielen anderen Forschern zu der Thematik Krieg und Gewalt sind aufgeführt und zeigen, wie umfangreich zwischenzeitlich der Forschungsstand zu dem Thema angewachsen ist.

Gute Einführung zum Thema.
8 Sterne8 Sterne8 Sterne8 Sterne8 Sterne8 Sterne8 Sterne8 Sterne8 Sterne8 Sterne

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Vorgeschlagen von Bernhard Nowak [Profil]
veröffentlicht am 03. Juli 2004

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