Raymond Postgate: Das Urteil der Zwölf

Das Urteil der Zwölf

Verlag: Goldmann Verlag [mehr Bücher von diesem Verlag zeigen]
Sparte: Krimi
ISBN-13 978-3-442-05913-3

Preis: aktuell keine Daten vorhanden
Wer kennt nicht den Film "Die 12 Geschworenen" mit Henry Fonda in der Hauptrolle unter der Regie von Sidney Lumet? Die Vorlage jedoch, der 1940 erschienenen Kriminalroman "Das Urteil der Zwölf" von Raymond Postgate, ist weniger bekannt. Er gehört aber bis heute zu den Meisterwerken des Genres.
Das Buch gliedert sich in drei Teile: "Die Geschworenen", "Der Fall" und "Verhandlung und Urteil".

Der erste Teil beschreibt jeden Einzelnen der Geschworenen. Es handelt sich um zwei Frauen und zehn Männer. Deren Lebensgeschichten werden in der Reihenfolge erzählt, in der sie als Geschworene vereidigt werden. Zu entscheiden ist über Leben oder Tod einer Frau, die angeklagt wird ihren kleinen Neffen ermordet zu haben. Die Gefühle und Gedanken der Geschworenen werden ausführlich geschildert.

Der zweite Teil beschreibt den Fall als eigenständige, in sich geschlossene Darstellung. Der dritte Teil skizziert den Verlauf der Verhandlung und schließt mit der Urteilsverkündung.

Die Gefühle jedes einzelnen Geschworenen, seine Motive für die Entscheidung, für schuldig oder unschuldig zu plädieren, werden ausgebreitet. Es entsteht ein Gemisdh von Vorurteilen und Ressentiments. Nicht der Angeklagte, sondern die Gruppe der Geschworenen bilden den Mittelpunkt des Kriminalromans. Man erkennt den Spießbürger, den religiösen Fanatiker. Eine der Geschworenen, Mrary Atkins, hat selber als junges Mädchen einen Mord begangen, der nie aufgeklärt wurde. Sie ist daher die Einzige, die darauf beharrt, die Angeklagte habe den ihr zur Last gelegten Mord auch begangen. Allerdings gibt sie nach und fügt sich dem Urteilsspruch der übrigen elf Geschworenen. Wie wird das Urteil lauten? Und wer ist Schuld am Tode des Kindes? Der Leser erlebt hier eine faustdicke Überraschung...

Faszinierend finde ich, dass das System der Geschworenen in dem Buch deutlich in Frage gestellt wird. Nicht nur kommen die 12 Damen und Herren nur sehr schwer zu einem einheitlichen Urteil. Entscheidend - und dies macht der Roman sehr deutlich - ist nicht, ob der Täter schuldig ist, sondern ob die vorgelegten Beweise ausreichen, die Schuld der Angeklagten zweifelsfrei zu beweisen. Wie deutlich wird, können auch die Geschworenen einen Justizirrtum nicht verhindern...
Fazit
Auch heute noch, rund 65 Jahre nach Erscheinen des Buches, gehört das Werk zu den Klassikern der Kriminalliteratur und zu meinen Top Ten.

Für diejenigen, die Gerichtsromane im Stile von Agatha Christies "Zeugin der Anklage" mögen, sicherlich ein Genuß. Unbedingt empfehlenswert.
9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne

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Vorgeschlagen von Bernhard Nowak [Profil]
veröffentlicht am 01. Juli 2004

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