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Jan Schönfelder (Herausgeber): Das Wunder der Friedlichen Revolution Jan Schönfelder (Herausgeber): Das Wunder der Friedlichen Revolution
Ideologischer Anspruch und die politische Realität standen sich in der DDR stets gegenüber. Zwischen ihnen klaffte eine über 40 Jahre existente Lücke, die aufgrund divergenter Handlungsmuster und widerspruchsvoll-opportunistischer Berichterstattung dauerhaft vorhanden war. Die DDR war ein auf Dauer angelegtes und beständig um ihr eigenes Überleben kämpfendes Provisorium. Es wäre ohne Repression und ideologische Einflußnahme bereits in frühen Jahren vernichtet worden und hatte damit nach heutiger Betrachtungsweise unter der Beachtung der völlig mangelnden gesamtgesellschaftlichen Akzeptanz keine Existenzberechtigung. Allein 1991 wurden 9000 Verfahren mit 2000 beschuldigten DDR-Funktionären geführt. Dieses Bewußtsein vom Unrecht externalisierte sich schließlich 1989 infolge der Zuspitzung der... – weiterlesen (Rezension vom 01. Juni 2009)
 
Wolfgang Schühly (Hg.): Natursprache. Deutsche Naturdichter der Nachkriegszeit Wolfgang Schühly (Hg.): Natursprache. Deutsche Naturdichter der Nachkriegszeit
Der humanistische Fortschritt wird von vielen Philosophen und Dichtern als Abkehr von der Archaik gesehen. In der modernen Welt spielen kaum noch Götter, metaphysische Mächte, Bünde, Opfer oder Dienste eine Rolle. Weder Leidenschaft noch Enthaltung begründen eine tiefere beseelte Weltschau. Zu den modernen Annehmlichkeiten gehört die Sekurität. Der Sinn für die Tragik, für die Natur erstirbt. Es werden Kümmerer großgezogen. Es ist aus Sicht der Philosophen der Hang dieser Zivilisation, die Charaktere, Nationalgeister einander anzugleichen und einen Weltenbrei anzurühren, in dem alle Nuancen verschwinden - Uniformität, Wüßten, Langeweile und der Mangel an originärer und vielseitiger Naturerfahrung. Das Naturgedicht ist im Gegenzug ein Gedicht, in dessen Zentrum das Erleben von Naturerscheinungen... – weiterlesen (Rezension vom 14. Februar 2010)
 
Heiko Luge (Hrsg.): Grenzgänge. Liber amicorum für den nationalen Dissidenten Hans-Dietrich Sander Heiko Luge (Hrsg.): Grenzgänge. Liber amicorum für den nationalen Dissidenten Hans-Dietrich Sander
Hans-Dientrich Sander war ein besonderer Denker und Philosoph der deutschen Nachkriegszeit. Für ihn war die Bundesrepublik Deutschland nicht die Fortsetzung der politischen Einheiten in der Deutschen Geschichte, sondern sie ist für ihn bis heute eine Ausgeburt der Stunde Null, gezeugt von fremden Mächten. So kündigte sich für Sander das "Germaniam esse delendam" schon in den letzten Kriegsjahren an. Die Zerstörung deutscher Städte mit Flächenbombardements und die gewaltsame Vertreibung von Millionen aus den östlichen Gebieten waren in der Tat absolute Schrecken. Das schriftstellerische Wirken Sanders war stets mutig von diesen Themen bestimmt, von denen her er ein Bild der Bundesrepublik zeichnete, wie es andere niemals sich zutrauten, was natürlich nicht an der Wahrheit hinter... – weiterlesen (Rezension vom 17. November 2009)
 
Klaus E. Bohnenkamp (Hrsg.): Rainer Maria Rilke - Norbert von Hellingrath. Briefe und Dokumente Klaus E. Bohnenkamp (Hrsg.): Rainer Maria Rilke - Norbert von Hellingrath. Briefe und Dokumente
An den Wänden reihten sich edle Bücherschränke. Auf Tischen lagen besonders schöne Bücher. Neben einer antiken Büßte befanden sich noch weitere edle Exemplare. In dieser bibliophilen Umgebung trifft der Dichter Rainer M. Rilke (1875-1926) am 2. Oktober 1910 auf Friedrich Norbert von Hellingrath. Von diesem gibt heute kaum noch ein Buch Kunde. Seine überlieferte grüblerische Natur und die gewisse innere Schwere seines Wesens stünden dem heutigen Leser wohl auch nicht gut an. Dennoch! Das vorliegende Buch stellt dem Leser Hellingrath vor, in bisher nicht gekannter und detailreicher Weise, und zwar anhand bisher ungedruckte Zeugnisse seiner kurzen Freundschaft mit Rilke im Zeichen Hölderlins vor dem Hintergrund des Ersten Weltkriegs. Trotz des nicht geringen Altersunterschiedes zwischen beiden... – weiterlesen (Rezension vom 22. November 2008)
 
Klaus Gauger (Hrsg.): Arnshaugk. Ein Lesebuch Klaus Gauger (Hrsg.): Arnshaugk. Ein Lesebuch
Die Kraft des Außenseiters liegt in seinem Exotismus, der ihn zu einem gefährlichen und anziehenden Wesen macht. Er repräsentiert einen anderen Menschen, eine andere Lebenshaltung. Sie steht für vieles, was heute selten geworden ist: Stille, Kraft, gegen den Strom zu schwimmen, die Muße im Studium, der Genuß von großen geistigen Werken, die Liebe zur Natur, der Sinn für das Historische und seine heute noch sichtbaren Hinterlassenschaften. Für jene, die dies nicht zu sehen vermögen, triumphiert das profane Leben, von dem nach dem Rückzug Gottes nur noch die prosaische Seite übrig bleibt, versinnbildlicht durch die Banalität oder den Sieg der bürgerlichen Ordnung: Mittelmäßigkeit, Geisteslosigkeit, Gewöhnlichkeit, Betrieb, Erwerb, Sucht nach unendlicher Unterhaltung. Der Mensch von heute leidet... – weiterlesen (Rezension vom 07. Februar 2010)
 
St. Benno-Verlag (Hrsg.): Die schönsten Kirchen, Klöster, Kathedralen. 365 Porträts für jeden Tag des Jahres St. Benno-Verlag (Hrsg.): Die schönsten Kirchen, Klöster, Kathedralen. 365 Porträts für jeden Tag des Jahres
Ab dem Römischen Reich entwickelte die katholische Kirche nach ihrer Etablierung als Staatsreligion erste monumentale Kirchenbauten, die bis heute das Bild vieler Städte unveränderlich prägen. Als Vorbild galt der "christlichen" Welt vielmals die Heiligengrabeskirche in Jerusalem, die oft kopiert wurde. Bodenzeichnungen und Mosaiken in den Kirchenböden mit Darstellungen des Weges nach "Jerusalem" oder zum "Heiligen Grab" sind in vielen Kirchen zu finden. Die architektonische Vielfalt von europäischer, byzantinischer und arabischer Kultur und darunter die Kirchenbauten sind unverändert beeindruckend. Kirchen geben Zeugnis von 1700 Jahren Architekturgeschichte. Sie stecken voll wertvoller Kunstschätze, sind Orte der Besinnung und Zentren des geistlichen Lebens.... – weiterlesen (Rezension vom 15. August 2009)
 
Stefanie Fischbach (Hrsg.): Deutschland, einig Vaterland. 60 Jahre: Eine Zeitreise gesamtdeutscher Geschichte von 1949 bis 2009 Stefanie Fischbach (Hrsg.): Deutschland, einig Vaterland. 60 Jahre: Eine Zeitreise gesamtdeutscher Geschichte von 1949 bis 2009
Die gesamtdeutsche nationale Identität, so läßt sich aus heutiger Sicht sagen, war stets vorhanden und führte erst 1989 zu ihrer eigentlichen Konsequenz. So läßt sich auch von einem mentalen gesamtdeutschen Bewußtsein sprechen, welches in der DDR-Nischenkultur auch unter dem Druck allumfassender Repression nur zeitweise auf forcierte Weise oberflächlich aber nicht geistig-mental ausgeblendet werden konnte. Die Bundesrepublik Deutschland erschien als Referenzsystem vom ersten Moment an und die Wiedervereinigung kann als letzte Konsequenz hierzu gelten. Das vorliegende Buch ergreift mit Bildern und Berichten, die den Leser in seine persönliche Vergangenheit eintauchen lassen - wohlgemerkt: den Leser in Ost und West bis hin zur Vereinigung. Dies geschieht auf über 1000 Fotos und ausführlichen... – weiterlesen (Rezension vom 15. August 2009)
 
Giorgio Agamben: Ausnahmezustand Giorgio Agamben: Ausnahmezustand
Das vorliegende Buch behandelt den Ausnahmezustand als herrschendes Paradigma gegenwärtiger Politik. Es ist weithin bekannt, daß der Parlamentarische Rat bei der Schöpfung des nachkriegsdemokratischen Grundgesetzes Konsequenzen aus der Weimarer Reichsverfassung (WRV) zog. Der Parlamentarische Rat wollte mit der Notstandsgesetzgebung einen funktionstüchtigen Parlamentarismus errichten. Das Grundgesetz war damit der erste Schritt, der daraus die Lehre zog, daß die Notstandgesetzgebung einst tragender Pfeiler der Präsidialregierung der WRV beim Übergang zum Nationalsozialismus im Januar 1933 war. Die enge Bindung von Parlament und Regierung auch im derartigen Notstand sollte das Parlament anregen, seine Funktionen zu erfüllen, damit die Ausnahme eben nicht wieder zur Regel werde, denn die Ermächtigungsgesetzgebung... – weiterlesen (Rezension vom 10. Februar 2008)
 
Jean Améry: Hand an sich legen. Diskurs über den Freitod Jean Améry: Hand an sich legen. Diskurs über den Freitod
Die heutige Medizin ist Kampf gegen den Tod anstatt eine Hinführung zum Einverstandensein mit ihm. Unsere Ethik ist eine, in der das Ableben nicht vorkommt, dringend vermieden werden muß, selbst wenn der betroffene Mensch den Tod wünscht. Daß wir das Wirken der Natur heute als grausam, als unmenschlich betrachten, ist der beste Beleg dafür, daß der Mensch selbst unnatürlich geworden sind, daß seine Maßstäbe lebensfremde, ja lebensfeindliche sind. Manch einer glaubt, Schmerz und Kampf des Körpers reichen nur bis an die äußere Schwelle des Todes. Dahinter würden sich noch während der Aktion des Sterbens Frieden und Licht auftun. Wie dem auch sei! - Die Schwelle muß von jedem überwunden werden, früher oder später, altersbedingt oder aus eigenem Wunsch. Und genau darum geht im vorliegenden Buch:... – weiterlesen (Rezension vom 26. Juni 2009)
 
Julius Bahnsen, Winfried H. Müller-Seyfahrt: Das Tragische als Weltgesetz und der Humor als ästhetische Gestalt des Metaphysischen Julius Bahnsen, Winfried H. Müller-Seyfahrt: Das Tragische als Weltgesetz und der Humor als ästhetische Gestalt des Metaphysischen
Julius Bahnsen wurde 1830 in Tondern geboren und war als Philosoph besonders von Arthur Schopenhauer beeinflußt. Das vorliegende Buch will die logischen Elemente Hegelscher Dialektik nur im Bereich des Abstrakten anerkennen, wohingegen Schopenhauers Wille als Grundprinzip der Welt akzeptiert wird. Interessant ist, daß Bahnsen sich hiermit nicht abschließend von Hegel löst und damit einen Spagat versucht, den viele sofort zu leugnen versuchen würden: Er vermittelt zwischen Hegel und Schopenhauer. Dergleichen lesen wir erst später wieder in Ernst Jüngers Pariser Tagebüchern, als dort von der treibenden Kraft des objektiven Willens die Rede ist und ebenso Wille und objektiver Geist verknüpft werden. Kann nicht auch der Wille eine objektive treibende Kraft sein? Der Hegelschen Dialektik stellt... – weiterlesen (Rezension vom 25. Oktober 2008)
 
Julius Bahnsen: Mosaiken und Silhouetten: Charakterographische Situations- und Entwicklungsbilder Julius Bahnsen: Mosaiken und Silhouetten: Charakterographische Situations- und Entwicklungsbilder
Der große Aufzug der Charaktere, die nach ihrem Leben suchen, um es zu verwirklichen, ist das Lieblingsthema des verkannten Philosophen Julius Bahnsen aus dem deutschen Lauenburg in Pommern. Es liegt nach Bahnsen selbst in den Charakterunterschieden der Völker, was einige zu historischen Völkern macht und andere in der Anonymität des Lebens untergehen läßt. Als Schüler Schopenhauers wagte Bahnsen eine Verbindung Hegelscher Dialektik mit Schopenhauerschem Monismus. In dieser Verbindung wird zwar der vernunftlose all-eine Wille Schopenhauers als das Grundwesen der Welt und das einzig Reale akzeptiert, jedoch nicht, daß dieser Wille in den Individuen derselbe sei, sondern selbst ebenso vielfach wie diese Individuen, deren unveränderliches Wesen in ihrer unveränderlichen Willensnatur, in ihrem... – weiterlesen (Rezension vom 07. Dezember 2008)
 
Rudolf Bahro: Denker - Reformator - Homo politicus. Nachlasswerk Rudolf Bahro: Denker - Reformator - Homo politicus. Nachlasswerk
Mit der gnadenlosen Sozialismuskritik "Die Alternative" wurde Rudolf Bahro 1977 weltweit bekannt. Das SED-Regime verurteilte ihn daraufhin zu einer Haftstrafe und wies ihn nach Westdeutschland aus. Das bedeutete aber nicht, daß er dort sich pfleglich ins wissenschaftliche Establishment der nachkriegsdemokratischen Banalität einordnete. Nein! Es ging ihm weiter um mehr, um wahres und unabhängiges Denken. Es ging ihm um eine Reduzierung des Primats der Ökonomie: "Kommunismus ist zunächst das Prinzip einer vergleichsweise unwichtigen Ökonomie." - So schrieb er in seinem Nachlaß ganz konkret. Es folgte 1987 sein zweites Hauptwerk "Logik der Rettung". Nach der Wende kehrte der Kritiker nach Ostberlin zurück und baute an der Humboldt-Universität, wo er selbst von... – weiterlesen (Rezension vom 08. Februar 2009)
 
Detlef Bald: Politik der Verantwortung. Das Beispiel Helmut Schmidt, Der Primat des Politischen über das Militärische 1965-1975 Detlef Bald: Politik der Verantwortung. Das Beispiel Helmut Schmidt, Der Primat des Politischen über das Militärische 1965-1975
Seitdem es Politik als Wissenschaft gibt, besteht eine Spannung zwischen utopischer Gesinnungs- und pragmatischer Verantwortungsethik. Die Arbeitsteilung zwischen Religion und Politik ist unumkehrbar. Absolute Ethik gilt als dysfunktional, sobald es in allem politischen Tun um Sachgesetzlichkeit, Kompromissfindung und Konsensstiftung geht. Erst als der säkularisierte Glaube an den sittlichen Allgemeinvertretungsanspruch des Staates nicht mehr fraglos hingenommen wurde, entstand ein Dualismus zwischen Verantwortungsethik und Gesinnungsethik. Er weiß, daß alles politische Handeln auch auf irrationalen Wertentscheidungen beruht, - gerade das des Realpolitikers - und daß Sozialwissenschaft gar nicht entscheiden kann, ob man sich in einer Situation verantwortungsethisch zu verhallten habe. Begibt... – weiterlesen (Rezension vom 07. März 2009)
 
Nils C. Bandelow, Klaus Schubert: Lehrbuch der Politikfeldanalyse Nils C. Bandelow, Klaus Schubert: Lehrbuch der Politikfeldanalyse
Die Policy-Forschung in der Politikwissenschaft widmet sich der Untersuchung der Inhalte politischer Regelungstätigkeit in den Einzelbereichen der Politik, den Politikfeldern - oder Policies. Diese Policy-Dimension drückt damit die inhaltlich materiellen Aspekte der Politik aus, die Gesamtheit der Bestrebungen, gesellschaftliche Probleme zu bearbeiten. D.h. wie ist gute Politik - verstanden als effektive und effiziente Lösung gesellschaftlicher Probleme - überhaupt möglich? Policy-Analyse ist heute nur als Mehrebenenpolicy-Forschung durchführbar bei tendenzieller Überwindung der traditionellen Grenzen zwischen der vergleichenden Regierungslehre und der Internationalen Teildisziplin. Internationalisierung, Erosion des Nationalstaates und Vermarktlichung vieler Politikfelder haben innerwissenschaftlich... – weiterlesen (Rezension vom 19. April 2008)
 
Jean Baudrillard: Warum ist nicht alles schon verschwunden? Jean Baudrillard: Warum ist nicht alles schon verschwunden?
Der moderne Mensch ist von der Maschine überfremdet worden. Er wird der Maschine funktional untergeordnet, so daß der Mensch selbst nicht mehr in seiner Menschlichkeit präsent ist. Dies war die Grundannahme der Kulturphilosophen Hans Freyer und Oswald Spengler. Technologie wird als allumgebendes Arbeitssystem entworfen, Verwaltung und Staat ordnen sich ihr unter. Die Konsequenz dieser Entwicklung ist der Mangel an individueller Differenzierung, an Initiative, Originalität und eigenem Bewußtsein. Das "sekundäre System" (Freyer), dessen Essenz die konzentrierte Macht der Technik, die IT-Revolution der Gegenwart ist, führt als Ideologie in die Erfahrungsleere, in die Fließbandarbeit, in einen beruflichen Alltag mit mechanistischer Arbeitsteilung, in welchem virtuelles Geschehen allein... – weiterlesen (Rezension vom 05. April 2008)
 
Ursula Baumann: Fichte in Berlin: Spekulative Ansätze einer Philosophie der Praxis Ursula Baumann: Fichte in Berlin: Spekulative Ansätze einer Philosophie der Praxis
In seinen frühen Schriften vertritt der Philosoph Johann Gottlieb Fichtes (1762-1814) einen bürgerlichen Freiheitsbegriff, der die Geistesverwandtschaft der deutschen idealistischen Demokratietheorie mit der Französischen Revolution aufzeigt. Er stärkt die Autonomie des sittlichen ‚Ich’ gegen die konservative Reaktion, gegen eine historisch erstarrte Auffassung, die sich für ihn nur noch mit repressiver Gesinnung aufrechterhält. Ihm geht es um die Versöhnung des sittlich autonomen Subjektes im kantischen Sinne mit einer von ihm entfremdeten politischen Umwelt. Politische Philosophie wurde hier zur realpolitisch relevanten Maxime. Der Vernunftoptimismus gestattete es Fichte, autonomes Selbstbewußtsein und gemeinschaftliche Vollkommenheit in eins zu setzen. Theoretisch und pädagogisch sollte... – weiterlesen (Rezension vom 18. Mai 2008)
 
Walter Benjamin: Berliner Kindheit um neunzehnhundert. Fassung letzter Hand Walter Benjamin: Berliner Kindheit um neunzehnhundert. Fassung letzter Hand
Der Titel dieses Buches hätte nicht "Berliner Kindheit um 1900" lauten sollen, sondern vielmehr "Lyrisch-philosophische Betrachtungen zu einer Berliner Kindheit um 1900", denn dieses Buch, Walter Benjamins Kindheitsbuch, ist eine sehr feinfühlige autobiographische Schrift, die sich als Schlüsseltext der Moderne durch eine enorm lyrisch-philosophische Sprache auszeichnet. Es geht darin eigentlich um tiefgehendere philosophische Fragen und Reflexionen, als es der Titel verheißt. Das Gesetz des Ortes spielt eine Rolle, denn Benjamins eigene Identitätskrise scheint die treibende Kraft hinter den vorliegenden Prosaminiaturen zu sein. Und in der Tat: Wer Benjamins andere Schriften kennt weiß, daß es ihm stets um eine Verortung seines Geistes als deutsch, französisch, jüdisch,... – weiterlesen (Rezension vom 03. Januar 2008)
 
Walter Benjamin: Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit Walter Benjamin: Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit
Der Reiz des Außenseiters liegt in seinem Exotismus, der ihn zu einem gefährlichen und zugleich anziehenden Wesen macht. Er weiß heute, im Zeitalter permanenten Produktivitätszwanges und der Reproduktion immergleicher denkerischer Konfigurationen in Politik, Kultur und Kunst, daß es Symbol des menschlichen und damit geistigen Fleißes ist, aus Geld nicht immer wieder mehr Geld machen zu wollen, weil der wahre Wert in dem liegt, was selten geworden ist: Stille, Lust zur Nonkonformität, die Muße im Studium, der Genuß von großen geistigen und künstlerischen Werken. Und so, im Zeitalter der höchsten Konsumformen, der unverbindlich "ästhetischen" Bildungs- und Anregungsinteressen oder des Vergnügens, in diesem Zeitalter, in dem Phrasen des allgemeinen öffentlichen Jargons abrufbereit... – weiterlesen (Rezension vom 23. Juni 2007)
 
Walter Benjamin: Kairos. Schriften zur Philosophie Walter Benjamin: Kairos. Schriften zur Philosophie
"Kairos" ist ein sehr bedeutender Begriff der griechischen Sprache. Ursprünglich bedeutete er "rechter Augenblick", "günstiger Zeitpunkt", aber auch das rechte Maß und den rechten Ort. Aufgeladen wurde das Wort durch den protestantisch-sozialistischen Theologen Paul Tillich (1886-1965) in den zwanziger Jahren. Er grenzte es von "chronos", der unakzentuiert verlaufenden Zeit, ab. "Kairos" war für Tillich ein Synonym des revolutionären Moments. Und wahrlich, Walter Benjamins hier vorliegende Texte, kleinere Schriften und Briefe sind revolutionären und konsequenten Inhalts. Ralf Konersmann hat seine treffliche Auswahl von geschichtstheoretischen Texten, Fragmenten und Briefen Walter Benjamins zu Recht mit dem Wort "Kairos" betitelt,... – weiterlesen (Rezension vom 24. Februar 2008)
 
Walter Benjamin: Ursprung des deutschen Trauerspiels Walter Benjamin: Ursprung des deutschen Trauerspiels
Die kunst- und literaturphilosophische Abhandlung von Walter Benjamin entstand abschließend 1928, nachdem er sie von 1923 bis 1925 als Habilitationsschrift, die zurückgewiesen wurde, verfaßte. Später wurde sie ohne weiteren Effekt im Rowohlt-Verlag veröffentlicht. Diese Frühschrift Benjamins ist inhaltlich eine Abwehr gegen philosophische und philologische Traditionen und Wahrheitsansprüche seiner Zeit. Ein "Hauch der Relativität", der dem "Wesen der Wahrheit" anhaftet (13) - darauf weist Benjamins berühmte erkenntniskritische Vorrede bereits trefflich hin und macht seinen Anspruch deutlich: Schöpfung eines sprachtheoretisch und geschichtsphilosophisch fundierten Neuentwurfs von Erkenntnistheorie. Benjamins vorliegendes Buch bezweckt es, die Subjekt-Objekt-Spaltung dialektisch... – weiterlesen (Rezension vom 12. Januar 2008)
 
Anton Rauscher (Hrsg.), Jörg Althammer, Wolfgang Bergsdorf, Otto Depenheuer: Handbuch der Katholischen Soziallehre. Im Auftrag der Görres-Gesellschaft zur Pflege der Wissenschaft und der Katholischen Sozialwissenschaftlichen Zentralstelle Anton Rauscher (Hrsg.), Jörg Althammer, Wolfgang Bergsdorf, Otto Depenheuer: Handbuch der Katholischen Soziallehre. Im Auftrag der Görres-Gesellschaft zur Pflege der Wissenschaft und der Katholischen Sozialwissenschaftlichen Zentralstelle
Als der christliche Glaube aufkam, zog sich die Politik in die Großreiche zurück. Die Masse der vernachlässigten Menschen suchte Heil in der Religion als Schwester der Politik, um darüber das Heil zu finden. So entstand die Messiaserwartung ab etwa 20 n. Chr. Jesus verkündet die Kaiserherrschaft Gottes. Die Nächstenliebe ist die Liebe Gottes für den Menschen, womit das Christentum die erste Form universaler Weltreligion wurde, die in den globalen Katholizismus mündete, für den Paulus wirkte. Christliche Gemeinden gründeten sich. Jesus als nachahmenswerte Gestalt führt zu einem neuen Innenleben der Menschen. Der Gedanke der Gleichheit keimt zum ersten Mal auf, ebenso die Idee universeller Solidarität und Subsidiarität. Der von Thomas von Aquin proklamierte Gottesstaat beispielsweise besteht... – weiterlesen (Rezension vom 10. Oktober 2009)
 
Johannes Rogalla von Bieberstein: Der Mythos von der Verschwörung. Philosophen, Freimaurer, Juden, Liberale und Sozialisten als Verschwörer gegen die Sozialordnung Johannes Rogalla von Bieberstein: Der Mythos von der Verschwörung. Philosophen, Freimaurer, Juden, Liberale und Sozialisten als Verschwörer gegen die Sozialordnung
Wer eine Verschwörung gegen die herrschen Sozialordnung vermutet, neigt allzu leicht dazu, der Konstruktion einer Metawelt anheim zu fallen, in der Tatsachen und Fiktionen sich vermengen. Dazu gehört z.B. die sehr bekannte Vorstellungswelt von einer jüdisch-plutokratisch-bolschewistischen Doppelverschwörung gegen Deutschland, wenngleich dabei trotzdem nicht bezweifelt werden muß, daß der Bolschewismus in Deutschland nach 1945 eindeutige Ziele verfolgte. Es geht also lediglich um die Trennung von Wahrheit und Dichtung. Mit dem vorliegenden Buch liefert der Bibliothekar an der Universität Bielefeld, Johannes Rogalla von Bieberstein, eine wissenschaftlicher Pionierarbeit zur Genese und zum politischen Wirksamwerden der Vorstellung von einer umfassenden Verschwörung der Freimaurer ab. Es kann... – weiterlesen (Rezension vom 25. Januar 2009)
 
Hans Blumenberg, Carl Schmitt: Briefwechsel 1971-1978. Und weitere Materialien Hans Blumenberg, Carl Schmitt: Briefwechsel 1971-1978. Und weitere Materialien
Alle politischen Begriffe sind für Carl Schmitt (1888-1985), politischer Philosoph und Staatsrechtler, polemischen Inhalts. Sie haben eine konkrete Gegensätzlichkeit im Auge, sind an eine konkrete Situation gebunden, deren letzte Konsequenz eine Freund-Feind-Gruppierung ist. Sie werden deshalb auch zu leeren Abstraktionen, wenn diese Unterscheidung entfällt. Worte wie Staat, Republik, Gesellschaft, Klasse, Souveränität, Diktatur, Plan und Rechtsstaat seien unverständlich, wenn man nicht weiß, wer konkret durch ein solches Wort getroffen, bekämpft oder negiert werden soll. So nennt z.B. Machiavelli tatsächlich alle Staaten Republiken, die nicht Monarchien sind. Die Demokratie war für Schmitt deshalb konsequenterweise ein polemischer Begriff der Negation von Monarchie. Die sogenannte demokratische... – weiterlesen (Rezension vom 20. Dezember 2007)
 
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